Was gilt
Seit dem 2. Februar 2025 gelten die ersten beiden Kapitel der KI-Verordnung: das Verbot bestimmter KI-Praktiken (Art. 5) — etwa manipulative Systeme oder Social Scoring — und die Pflicht zur KI-Kompetenz (Art. 4).
Art. 4 ist die Pflicht mit der größten Reichweite im ganzen Gesetz: Sie gilt für jedes Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt. Nicht erst bei Hochrisiko-KI, nicht erst ab einer Unternehmensgröße — der ChatGPT-Zugang im Vertrieb reicht.
Wichtig seit dem 27. Juli 2026: Die Digital-Omnibus-VO (EU) 2026/1744 hat Art. 4 neu gefasst. Verlangt sind jetzt Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz unterstützen — ein garantiertes Kompetenzniveau müssen Sie nicht mehr sicherstellen. Die Pflicht selbst bleibt: Ohne dokumentierte, zum Einsatz passende Maßnahme gibt es keine Belegkette.
Wen es betrifft
Praktisch jedes Unternehmen, in dem Beschäftigte KI-Werkzeuge nutzen — vom Textassistenten bis zum Bewerbungsfilter.
Fallbeispiel (fiktiv): Der Bewerber, der nachfragte
Ein Handelsunternehmen (80 Mitarbeitende) lässt Bewerbungen von einem KI-Tool vorsortieren. Ein abgelehnter Bewerber beruft sich auf die DSGVO und fragt, wie die Entscheidung zustande kam — und ob das Personal für das Tool geschult ist.
Die HR-Leitung kann weder das eine noch das andere belegen. Der Fall landet beim Datenschutzbeauftragten des Landes; die fehlende KI-Kompetenz nach Art. 4 wird Teil der Akte. Was als Personalthema begann, ist jetzt ein Compliance-Vorgang mit zwei Rechtsgebieten.
Die Risiken, nüchtern eingeordnet
Bußgelder bei verbotenen Praktiken
Verstöße gegen Art. 5 kosten bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 99 Abs. 3 KI-VO) — die höchsten Bußgelder der gesamten Verordnung. Für KMU und Start-ups gilt dabei der niedrigere der beiden Werte, nicht der höhere (Art. 99 Abs. 6 KI-VO).
Beweislast im Streitfall
Ohne dokumentierte Schulungen fehlt Ihnen im Schadensfall, bei Kundenaudits und gegenüber Behörden der Nachweis sorgfältiger Organisation.
Schatten-KI
Ungeschulte Teams nutzen KI trotzdem — nur unkontrolliert: Kundendaten in fremden Tools, Halluzinationen in Angeboten, niemand prüft nach.
Ihre nächsten Schritte
- 01KI-Inventar anlegen: Welche Tools nutzt wer wofür?
- 02Schulung je Einsatzrisiko zuschneiden und mit Zertifikat dokumentieren
- 03Leitplanken festlegen: Welche Daten dürfen in welche Tools?
In Compliverse
Genau diese Schritte erzeugt der Kompass automatisch als Maßnahmen in Ihrem Plan — mit Fristen, Zuständigkeiten und Nachweisen.
Produkt-Klartext, kein Rechtsrat · Fallbeispiele sind fiktiv · Bußgeldrahmen laut Rechtsakt („bis zu“)